Im Gottesdienst zeigte die Vorkonfirmandengruppe das Adventsspiel "Warten auf den Retter von Gott".

Wir haben eben in dem Adventsstück ungefähr zehn Jahrhunderte in etwa 10 Minuten zusammengefasst. Eigentlich geht das gar nicht, und trotzdem muss man das manchmal machen, damit man die großen Zusammenhänge sieht.

Habt ihr gemerkt, wie im Laufe des Stückes eigentlich immer alles schlechter geworden ist? Am Anfang ein König, der ganz viel richtig macht, und die Leute sind froh, dass sie ihn haben. Und sie denken: am besten wäre es, wenn es immer so weitergehen würde. Aber so geht es nicht weiter. Die Nachfolger kriegen es fast alle nicht so hin wie David. Am Ende verspielen sie die Freiheit, und das Volk wird in ein fremdes Land verschleppt.

Das ist eine Linie, die so richtig bergab geht. Aber da im fremden Land entdecken sie Gott ganz neu. Vorher haben sie gedacht: Hauptsache, wir haben einen starken König, dann läuft es richtig! Hauptsache, Gott sorgt dafür, dass wir immer gewinnen! Aber dann haben sie richtig verloren, und alles war weg. Und da haben sie gemerkt, dass Gott auch dann noch zu ihnen hält. Er hat sie nie wieder zu so einem mächtigen Volk gemacht wie unter David, aber sie haben etwas viel Wichtigeres gelernt: dass Gott sie auch im Unglück begleitet, als sie ganz unten waren.

Vorher haben sie die Propheten oft überhört, aber da, als es ihnen ganz schlecht ging, da achteten sie auf die Propheten und ihre Worte. Und das hat ihnen geholfen, zu überleben. Vor allem aber haben sie etwas ganz Wichtiges über Gott gelernt: Gott ist nicht nur in den guten Tagen da, sondern erst recht in den schlechten.

Man merkt das meistens erst dann, wenn es im Leben auch schon mal richtig schief gegangen ist und es weh getan hat. Wenn man nicht einfach so Tag für Tag durchs Leben geht, und irgendwie läuft es schon, sondern wenn man das erlebt hat, dass man da sitzt und sich fragt: wie soll das bloß weitergehen.

Denkt dran, wie ihr in der Szene in Babylon auf dem Boden gesessen habt und gesagt habt: Jerusalem ist zerstört, wir sind weit weg von zu Hause, wie soll es jetzt weitergehen? Wer so etwas schon mal erlebt hat, der weiß, wie schlimm solche Momente sind. Und trotzdem sind das die Augenblicke, wo Menschen Gott manchmal von einer wirklich neuen Seite erleben: dass er nämlich auch im Unglück zu ihnen hält. Das ist doch auch unter Menschen so, dass wir erst in der Not merken, wer unsere echten Freunde sind.

Und dann schickt Gott ihnen den persischen König Kyros, und der besiegt ihre Unterdrücker und lässt alle gefangenen Völker frei. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch erinnert, dass wir vorhin in der Lesung schon von Kyros gehört haben. Da sagt Gott zu Kyros: du kennst mich nicht, aber ich habe dir den Sieg über die Babylonier gegeben, weil du mein Volk befreien sollst! Die Perser waren ursprünglich freie Völker aus den Bergen, und sie wollten keine Unterdrücker sein und haben die ganzen nach Babylon verschleppten Völker freigelassen. Und Gott sagt: ich bewege die Weltgeschichte, ich arbeite auch mit Völkern zusammen, die mich nicht kennen, weil es mir um Gerechtigkeit geht.

Und dann merkte das Volk, dass sie frei waren, und sie hatten wieder Luft zum Weiterleben, sie konnten aufatmen, aber es wurde nie wieder so toll wie unter David. Warum? Ich glaube, es ging darum, dass sie lernten, die richtigen Fragen zu stellen. Und die richtigen Fragen stellt man nicht, so lange alles problemlos läuft. Auf die richtigen Fragen kommt man nur, wenn man unzufrieden ist und es alles klemmt und knirscht. Und das haben sie Jahrhundert um Jahrhundert erleben müssen. Am Ende hatten sie wieder einen König, aber so einen schlechten wie Herodes. Die Linie ging immer noch bergab. Der Befreier Kyros war ein kleines Zwischenhoch gewesen, das hatte ihnen Luft verschafft, aber es blieb hart. Immer noch sollten sie lernen, die richtigen Fragen zu stellen.

Aber was waren die richtigen Fragen?

Die ganze Zeit hatten sie gehofft, dass einmal ein König kommt, der es richtig macht und ihnen zu einem guten Leben verhilft. Aber ist das überhaupt sinnvoll, bei jedem neuen König, bei jedem Präsidenten und Bundeskanzler wieder zu hoffen, dass er es endlich mal gut macht? o.k., es hatte David gegeben, es hatte Kyros gegeben, aber eigentlich waren sonst alle Könige enttäuschend. Deshalb, die richtige Frage Nr. 1: Vielleicht besteht die Lösung ja gar nicht darin, dass es ein guter König für uns richtig macht?

Oder: wenn Gott uns auch in schweren Zeiten treu bleibt und uns hindurchführt, dann besteht die Lösung vielleicht gar nicht so sehr darin, dass es gute Zeiten gibt, sondern dann ist die viel wichtigere Frage Nr. 2: wie geht das, dass wir uns von Gott leiten und beraten und ermutigen lassen? Vor allem können wir dafür etwas tun und müssen nicht einfach nur warten, ob vielleicht doch mal der richtige gewählt wird.

Und also die richtige Frage Nr. 3: Könnte es sein, dass die Lösung an einer ganz anderen Stelle liegt, als da, wo die Leute sie immer gesucht haben?

Das sind diese Fragen, die das Volk Israel im Laufe seiner Geschichte lernen musste. Und das war hart und es weh getan, bis sie soweit waren, dass sie diese Fragen überhaupt erst verstanden. Aber in dem Stück, das ihr gezeigt habt, gibt es noch eine Linie, nicht nur, dass es alles immer schwieriger wird. Es gibt auch die Linie von den Königen hin zu den Propheten und dann sogar zu einem ganz normalen Menschen: Maria. Die war nur ein paar Jahre älter als ihr es heute seid, als der Engel sie fragte, ob sie die Mutter von Jesus werden wollte. Und ihr Sohn, Jesus, hat nie irgendeinen Posten bekleidet, er hat nie viel Geld gehabt oder Macht, wie Könige sie haben, besessen. Und trotzdem hat er die ganze Welt bewegt. An ihm und seinen Jüngern kann man sehen, dass normale, einfache Menschen besseres erreichen können als Könige, wenn Gott mit ihnen ist.

Es gibt also eine Linie von den Königen und Herrschern zu den ganz normalen Leuten. Die werden immer wichtiger. Aber darauf muss man erst mal kommen! Das merkt man nicht so einfach, sondern nur, wenn man die richtigen Fragen stellt. 1000 Jahre und noch länger hat es gedauert, bis die Menschen in Israel so weit waren, dass sie diese Fragen überhaupt verstehen konnten. Und es hat viele schwere Zeiten gebraucht, schlimme Erlebnisse, sehr schmerzhafte Einschnitte, bis sie so weit waren.

Ist das nicht auch bei uns so, dass man auf manche Dinge erst stößt, wenn man schon ein bisschen ramponiert vom Leben ist? Wenn man die ersten Enttäuschungen erlebt hat, wenn nicht alles gut gelaufen ist, wenn der Lebenslauf den ersten Knick bekommen hat, dann erreicht man irgendwann den Punkt, wo man sich langsam die richtigen Fragen stellt. Und manche tun es selbst dann nicht.

Deshalb sind die mühsamen Zeiten so wichtig. Die waren wichtig für das Volk Israel und die sind es für uns. Die sind wichtiger als manche Zeiten, in denen alles gut und problemlos gelaufen ist. Sie bereiten uns auf die Antwort vor. So wie der Advent uns auf Weihnachten vorbereitet.

Die Adventszeit ist so eine Zeit, in der wir uns an die richtigen Fragen erinnern sollen. Wir müssen ja nicht alle Erfahrungen selber machen. Wir können ja auch von anderen lernen.

Wer angefangen hat zu fragen, wie das denn aussehen könnte, dass wir nicht mehr auf irgendwelche Könige warten, sondern dass wir in Gemeinschaft mit Gott selbst anfangen, ein gutes und richtiges Leben zu führen, wer von dieser Frage bewegt wird, der ist dann auch bereit für die Antwort, die es Weihnachten gibt: dass Jesus den Weg dorthin zeigt. Dass Jesus uns zeigt, wie wir wirklich alle Könige werden können, die diese Welt mit Gott gestalten.

Aber du kannst diese Antwort erst dann verstehen, wenn du die Frage dazu hast. Die Zeiten, in denen solche Fragen wachsen, sind kostbare Zeiten, auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind. Es sind die Adventszeiten in unserem Leben.

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