Jesus in Nazareth

Theaterszene für den Gottesdienst am 28.01.2001 nach Mark. 6,1-6a

 
Personen:

Daniel

aus Nazareth

Joses

aus Nazareth

Johanna

seine Frau
 

In der ersten Szene stehen Daniel und Joses im Altarraum auf der Kanzelseite beim Pult. Wenn sie sich verabschieden, geht Joses auf die andere Seite und spricht dort mit Johanna (zweite Szene).

1. Szene: Nach dem Gottesdienst

Daniel:

Diese Familie war immer schon komisch. Aber der Älteste, der setzt dem Ganzen die Krone auf.

Die Geschwister sind wenigstens alle was geworden.

Daniel:

Ich glaube, die sind auch nicht glücklich über seine Eskapaden.

Joses:

Kommt hier an mit zwölf Leuten von auswärts und glaubt, er wäre was besseres.

Daniel:

Alter Trick, zwölf Männer für die zwölf Stämme Israels. Der weiß, wie er die Leute nehmen muss.

Joses:

Reden konnte er ja schon immer.

Daniel:

Ich kann mir gut vorstellen, dass sie ihm da unten am See hinterherlaufen.

Joses:

Aber nur die, die ihn nicht kennen.

Daniel:

Wir kennen ihn hier, das ist der Unterschied.

Joses:

Weißt du noch, wie du ihm gezeigt hast, wie man den Meißel halten muss?

Daniel:

Ja, das hat er von mir.

Joses:

Ich glaube, er hat gemerkt, dass er hier sich hier nicht aufspielen kann.

Daniel:

Er war ziemlich frustriert, war mein Eindruck.

Joses:

Und den ganzen Hokuspokus macht er hier auch nicht. Da würde ja auch keiner kommen.

Daniel:

Das wäre ja noch schöner.

Joses:

Wir bleiben auf dem Teppich.

Daniel:

Er soll nicht denken, dass wir jetzt nach seiner Pfeife tanzen, nur weil er auswärts Erfolg hat.

Joses:

Einen schönen Tag noch!

Daniel:

Gleichfalls! Und nicht vergessen: wir bleiben die alten!

Joses:

Wir bleiben die alten!

Daniel verschwindet aus der Szene, Joses geht nach Hause zu seiner Frau Johanna.

 

2. Szene: Zu Hause

Johanna:

Na, war Jesus heute wirklich im Gottesdienst?

Joses:

Ja – große Reden hat er geschwungen. Hörte sich gut an.

Johanna:

Stimmt es, dass er Leute gesund macht?

Joses:

Diese zwölf Männer, die er bei sich hat, und die Frauen, die behaupten es jedenfalls. Blinde, Taube, Behinderte – alle sind hinterher angeblich wieder fit wie ein Turnschuh.

Johanna:

Das ist doch großartig!

Joses:

Die anderen sahen das nicht so.

Johanna:

Wieso?

Joses:

Es ist jedenfalls keiner zu ihm gegangen, um ihm ein Problem vorzutragen.

Johanna:

Also, wenn ich überlege, wer heute wohl alles im Gottesdienst gesessen hat – das ist doch eigentlich eine Ansammlung von Problemfällen.

Joses:

Aber keiner wollte sich unbeliebt machen.

Johanna:

Wieso?

Joses:

Na hör mal, wir kennen Jesus und seine Familie schon so lange. Das kann einfach nicht sein, dass das alles echt ist. Erst wirst du mit jemand zusammen ganz normal gross. Und dann stellt der die Welt auf den Kopf? Das kann nicht sein. Das sehen alle so.

Johanna:

Aber ich überlege schon die ganze Zeit, ob ich nicht mit der Kleinen zu ihm gehen könnte. Du weißt, wie schlecht Ruth hört. Ich kann ja abends gehen, wenn es keiner sieht. Und wenn es nicht klappt – was haben wir dabei schon zu verlieren?

Joses:

(macht sie nach) Was haben wir schon zu verlieren? Die Nachbarn werden sich das Maul zerreißen, wenn sie erfahren, dass du mit Ruth bei Jesus warst. Und hast du dir schon überlegt, was deine Mutter sagen würde?

Johanna:

Mutter ist alt und kriegt nicht mehr so viel mit.

Joses:

Das glaubst du doch selbst nicht. Wenn irgendwas ins Dorf durchsickert, hört sie es brühwarm und tratscht es rum. Die ist doch die Zeitung auf zwei Beinen! Deine Mutter macht uns die Hölle heiß, das weißt du selbst ganz genau.

Johanna:

Aber ich kann das nicht mit ansehen, wie Ruth mit niemanden richtig spielen kann, weil sie nichts hört.

Joses:

Ich will nicht, dass du da hingehst, hast du es endlich verstanden? Lass die Finger von ihm und seinen Leuten! Verstanden?

Johanna:

(leise) Ja.

Joses:

Sag es noch mal laut, dass du es verstanden hast!

Johanna:

Ja.

Joses:

Und glaub nicht, du könntest da heimlich hingehen. Hier bei uns kommt alles raus. In Nazareth tanzt keiner aus der Reihe. Wir bleiben die alten.