Zachäus - Wege der Umkehr

Szene zu Lukas 19,1-9
im »Besonderen Gottesdienst« am 18. Februar 2001

 
Personen:

Dr. Zachäus, ein windiger Anlageberater

Frau Angelika Pieper, eine vorsichtig gewordene Anlegerin

Pieper:

(sitzt mit Zeitung beim/nach dem Frühstück; Dr. Zachäus mit Aktenkoffer in der Hand kommt durch den Mittelgang. Ihm ist nicht besonders wohl, er zögert, er wartet an den Stufen, es klingelt) Wer klingelt denn schon um diese Zeit? Ist das die Post? Oder ob der Elektriker für die Waschmaschine kommt? Das wäre ja enorm! (geht zur Tür (=Stufen), öffnet)

Dr. Zachäus:

Guten Morgen!

Pieper:

Guten Morgen – ach Sie sind es, Herr Zachäus! Sie hätte ich ja am wenigsten erwartet. Dass Sie sich überhaupt hertrauen!

Dr. Zachäus:

Ja, das wundert mich auch. (Pause) Darf ich hereinkommen?

Pieper:

Worum geht es denn?

Dr. Zachäus:

Ich komme in einer besonderen Angelegenheit ...

Pieper:

Das sagen Sie immer.

Dr. Zachäus:

Ich kann Sie verstehen, aber diesmal ist es wirklich etwas Besonderes.

Pieper:

Wieder ein besonders lukratives Geschäft, das Sie mir vermitteln wollen?

Dr. Zachäus:

Nein, überhaupt nicht, aber es geht um Ihren Vorteil.

Pieper:

Na das hört sich ja schon verdächtig an. Sind es Schrottaktien? Termingeschäfte? Schiffsbeteiligungen?

Dr. Zachäus:

Nein, ganz anders. Darf ich einen Augenblick hereinkommen?

Pieper:

Aber nur bis in den Flur (sie gehen wenige Schritte von den Stufen weg)

Dr. Zachäus:

Wir sind uns in der Vergangenheit leider oft unter unglücklichen Umständen begegnet ...

Pieper:

Das stimmt. Sie drücken es noch sehr milde aus.

Dr. Zachäus:

Ich würde das gerne ändern.

Pieper:

Da bin ich aber gespannt.

Dr. Zachäus:

Mir geht es genauso.

Pieper:

Wirklich?

Dr. Zachäus:

Ich versuche zur Zeit, ehrlich zu werden. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass das für mich keine leichte Aufgabe ist.

Pieper:

Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Aber Sie können ja gleich damit anfangen. Wieviel haben Sie eigentlich in den letzten zwei Jahren an mir verdient mit diesen windigen Geschäften, wo ich auf Sie hereingefallen bin?

Dr. Zachäus:

32.591,76 DM.

Pieper:

Wie bitte?

Dr. Zachäus:

32.591,76 DM. Ich habe es gestern ausgerechnet. Wären Sie einverstanden, wenn ich Ihnen als Entschädigung 40.000 Mark zahle?

Pieper:

Ich verstehe nicht ganz.

Dr. Zachäus:

Ich könnte Ihnen gleich einen Scheck ausstellen. Oder hätten Sie es lieber aufs Konto überwiesen? Ich meine nur, würde das reichen als Entschädigung?

Pieper:

Ist das wieder ein Trick?

Dr. Zachäus:

Kein Trick.

Pieper:

Dann hätte ich lieber sofort den Scheck. Aber glauben tu ich Ihnen erst, wenn das Geld auf meinem Konto ist.

Dr. Zachäus:

Darf ich? (Er nimmt auf einer Stuhlkante Platz und schreibt auf seinem Aktenkoffer einen Scheck aus. Die Frau bleibt stehen) Hier, bitte!

Pieper:

Vierzigtausend! Hier steht es. Aber verstehen tu ich es immer noch nicht. Was ist los mit Ihnen?

Dr. Zachäus:

Ich versuche ehrlich zu werden.

Pieper:

Ehrlich werden! Da könnte ja jeder kommen. Wieso ehrlich? Wieso gerade Sie?

Dr. Zachäus:

Ich möchte mein Leben so umstellen, dass Gott darin Platz hat.

Pieper:

Und dafür bezahlen Sie vierzigtausend Mark?

Dr. Zachäus:

Mehr. Sie sind ja nicht die Einzige.

Pieper:

Ach, ich weiß noch, dieser Radiofuzzi, der ganz gross verdienen wollte mit Ihnen ...

Dr. Zachäus:

Der auch, ja. Es ist ganz schön teuer.

Pieper:

Und was hat Gott damit zu tun, wenn Sie ehrlich werden wollen?

Dr. Zachäus:

(zögernd) Ich möchte ihn nicht enttäuschen. (sicherer) Und es geht mir gut dabei. (jetzt fest und überzeugt) Seit gestern mache ich solche Besuche wie bei Ihnen, und es geht mir immer noch gut.

Pieper:

Aus Ihrem Mund klingt das wirklich ungewöhnlich.

Dr. Zachäus:

Ich merke jetzt erst, wie mich das fertiggemacht hat, den Leuten immer Theater vorzuspielen. Ich bin vertrocknet dabei. Ich habe mich selbst nicht mehr gekannt.

Pieper:

(kommt zum ersten Mal aus ihrer Reserve heraus) War das wirklich so unangenehm?

Dr. Zachäus:

Ich merke erst jetzt, was ich mir da angetan habe. Erst wenn man weiß, wie Gott ist, dann versteht man, was echtes Leben ist. Ich war zugedröhnt mit dem Geld, und jetzt merke ich erst, wie gut mir Gott tut. Ich möchte das nicht wieder verlieren.

Pieper:

Stehen wir denn nicht alle manchmal neben uns?

Dr. Zachäus:

Um so schlimmer!

Pieper:

Also, wenn das Geld auf meinem Konto ist, dann fange ich an, Ihnen zu glauben.

Dr. Zachäus:

Dann lösen Sie Ihn schnell ein! Noch ist er gedeckt.

Pieper:

Das klingt schon mehr nach dem Dr. Zachäus, den ich kenne!

Dr. Zachäus:

Ja, manchmal passieren mir noch solche Ausrutscher. Auf Wiedersehen! (geht)

Pieper:

Auf Wiedersehen! (Pause) Was ist bloß mit dem passiert? Ist der jetzt auf einem ganz anderen Trip? (entschlossen) Auf jeden Fall gehe ich gleich zur Bank.