Die Zeitfalle

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 18.05.2003

Personen:

Manfred, Ehemann
Martina, Ehefrau

Martina und Manfred sitzen beim Abendessen.

Manfred:       Ich komme morgen abend wahrscheinlich erst nach neun zurück. Ich muss noch den Abschlussbericht fertig kriegen.

Martina:        Das hatte ich schon befürchtet.

Manfred:       Es geht nicht anders. (Das Telefon klingelt. Martina ist schneller und schnappt sich den Hörer. Klaus wird ungeduldig, weil er nicht weiß, worum es geht.)

Martina:        Ja ... ach wie schön ... wirklich? ... und wo seid ihr jetzt?

Manfred:        Wer ist es?

Martina:        (ins Telefon) Augenblick mal! (hält das Mikrofon zu) Klaus und Doris.

Manfred:        Was wollen sie?

Martina:        Sie kommen gerade auf der Autobahn vorbei, sie haben einen Kurzurlaub in Berlin gemacht.

Manfred:        Die haben es gut. Urlaub würde ich auch gern haben.

Martina:        Sie fragen, ob sie einfach mal auf einen Sprung reinschauen können.

Manfred:        Heute abend? Keine Zeit.

Martina:        Aber sie sind kurz vor Peine.

Manfred:        Dann hätten sie früher Bescheid sagen müssen.

Martina:        Die bleiben doch nicht lange.

Manfred:        Kannst du das garantieren?

Martina:        Was soll ich denn jetzt sagen?

Manfred:        Sag was du willst! Aber ich habe keine Zeit.

Martina:        Und mir schiebst du wieder die Entscheidung zu.

Manfred:        Wer geht denn immer zuerst ans Telefon?

Martina:        (lächelt ins Telefon) Ja, natürlich, schaut doch einfach mal rein, wir freuen uns immer, wenn ihr hier seid. Manfred ist zwar etwas eingespannt, aber er wird bestimmt eine Tasse Kaffee mittrinken.

Manfred:        (macht abwehrende Gesten)

Martina:        Er hat im Augenblick schrecklich viel zu tun. Auf jeden Fall freuen wir uns, euch wiederzusehen. Bis gleich!

Manfred:        Musst du ihnen auch noch erzählen, dass wir uns über ihren Besuch freuen?

Martina:        Jetzt sei doch mal ein bisschen freundlich. Ich kann doch nichts dazu, wenn du nie Zeit hast.

Manfred:        Ich hätte wesentlich mehr Zeit, wenn du nicht auf die Idee gekommen wärst, das Wohnzimmer zu renovieren.

Martina:        Nach fünf Jahren war das dieses Jahr wieder dran.

Manfred:        Und du könntest ruhig auch mal das Auto in die Werkstatt bringen.

Martina:        Natürlich, jetzt liegt es wieder an mir.

Manfred:        Ich hätte wirklich mehr Zeit, wenn du mich stärker unterstützen würdest.

Martina:        Damit du dann noch länger in der Firma bist?

Manfred:        Du hast immer gesagt, mehr Geld könnten wir gut gebrauchen.

Martina:        In Wirklichkeit geht es doch darum, dass du dastehst als der tolle Manfred, der alles schafft, aber es geht auf meine Kosten. Du musst dich doch nicht für jedes neue Projekt einspannen lassen.

Manfred:        Glaubst du, mir macht das Spaß? Ich mach das doch nur, damit wir mehr Spielraum haben. Wir waren uns einig, das wir endlich in einem Haus mit einem Wintergarten wohnen wollen. So ein Anbau wie bei Lindners.

Martina:        Und was willst du mit dem Anbau machen?

Manfred:        Ich will ihn richtig schön einrichten, mit einem Sitzplatz mit lauter Grün drumherum.

Martina:        Es würde mir völlig reichen, wenn das Wohnzimmer endlich tapeziert wäre.

Manfred:        Und wozu brauchst du dauernd neue Tapeten an den Wänden?

Martina:        Mit den alten Tapeten können wir niemand mehr ins Wohnzimmer lassen.

Manfred:       Wenn ich auch noch hier zu Hause immer arbeiten soll, dann habe ich sowieso keine Zeit für Besuch.

Martina:        Und warum willst du unbedingt deinen Sitzplatz im Wintergarten haben?

Manfred:       Ich möchte einfach einen Platz haben, um in Ruhe mit alten Freunden zusammen zu sitzen und mich zu unterhalten.

Martina:        Aber kannst du das nicht jetzt schon?

Manfred:        Wieso?

Martina:        Klaus und Doris sind alte Freunde. Und in wenigen Minuten kannst du in Ruhe mit ihnen zusammen sitzen und dich unterhalten. Dazu brauchst du keinen Wintergarten.

Manfred:        Ich glaube, ich höre ein Auto vor der Tür. Sie sind schon da!

Martina:        (gerät in steigende Panik) Ach du meine Güte! Halte sie bitte im Flur noch ein bisschen hin, ich muss doch erst aufdecken. Und wir haben keinen Kaffee - ich laufe noch schnell und hol ein bisschen Kuchen von der Tankstelle. Bist du so nett und unterhältst dich erstmal mit ihnen, bis ich wieder zurück bin? Es dauert nicht lange.

Manfred:        (erhebt matt Einspruch) Bleib hier! Was soll ich Ihnen denn sagen?

Martina:        Wir können sie doch nicht ohne Kuchen gehen lassen. (läuft raus - Mittelgang)

Manfred:       (geht durch die Altarwandtür hinaus, man hört seine Stimme von draußen) Hallo, wie schön, dass ihr hier seid! Entschuldigt bitte Martina. Sie ist im Moment schrecklich eingespannt, aber ich hoffe, sie trinkt nachher wenigstens noch eine Tasse Kaffee mit euch.