Nach einem Einsatz

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 7.11.2004

Personen:

Feuerwehrmann
seine Frau

Mann kommt in Einsatzkleidung nach Hause.

Frau:            Nanu, bist du schon so schnell wieder zurück?

Mann:           (einsilbig) Ja.

Frau:            Und?

Mann:           Was und?

Frau:            Was war los?

Mann:           Ein Unfall.

Frau:            Und wo?

Mann:           An der Bundesstraße.

Frau:            Ja und, nun sag doch mal! Was für ein Unfall? War es schlimm?

Mann:           Ein Opel ist beim Überholen von der Fahrbahn abgekommen.

Frau:            Und was habt ihr gemacht?

Mann:           Wir haben sie rausgeschnitten.

Frau:            Waren sie verletzt?

Mann:           Zum Teil.

Frau:            Dir muss man ja heute alles aus der Nase ziehen! Was war denn los? Kannst du nicht mal erzählen?

Mann:           Was soll ich denn noch alles erzählen? Lass mich doch erst mal eine Minute in  Ruhe!

Frau:            Du kannst mir wenigstens sagen, warum du so schnell wieder da bist. Habt ihr euch hinterher nicht mehr zusammengesetzt?

Mann:           Sonst beschwerst du dich, dass ich zu oft beim Dienst bin, und wenn ich mal früher komme, ist es auch nicht richtig.

Frau:            Ich beschwere mich doch gar nicht. Ich finde es gut, wenn ihr nach einem Einsatz noch zusammensitzt und davon sprecht. Ich wundere mich nur, dass ihr das heute anscheinend nicht gemacht habt. Das ist alles.

Mann:           Doch, die anderen setzen sich noch zusammen.

Frau:            (jetzt überrascht) Und du nicht?

Mann:           Nein.

Frau:            Was ist los? Habt ihr Streit gehabt?

Mann:           Nein. Überhaupt nicht. Kein Streit. (Pause) Henning hat mich nach Hause geschickt.

Frau:            Warum das?

Mann:           Er meinte, ich sehe nicht gut aus, ich soll lieber nach Hause gehen, und sie kommen schon ohne mich zurecht.

Frau:            (guckt ihn genau an) Hast du dich verletzt? Aber du bist doch ok, oder?

Mann:           Eigentlich schon - aber ich hab da wohl so rumgestanden, dass die andern dachten, mit mir wäre was. Irgendwie war ich nicht mehr da. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt oder hingelegt oder wäre einfach weggegangen. Und dann hat Henning gesagt, ich soll lieber nach Hause gehen. Ich weiß nicht, was die jetzt von mir denken.

Frau:            Hast du die im Auto gesehen?

Mann:           Ja. (Pause) Du, ich bin normalerweise nicht so. Aber die hatte Kinder mit dabei, und die waren nicht angeschnallt.

Frau:            War es schlimm?

Mann:           Das Mädchen blutete ganz schrecklich, aber die lebte. Der kleine Junge, der rührte sich überhaupt nicht. (Pause) Ich habe die beiden rausgeholt. Ich glaube, der Junge war schon tot. Da war gar nichts mehr.

Frau:            Wie alt war er?

Mann:           Ich schätze so fünf. Ein bisschen jünger als David. (schaut sie an) Du, als ich ihn da rauszog, hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, es könnte David sein. Es ist verrückt, ich wusste ja, dass er das nicht ist. Aber er sah ihm so ähnlich. Ich sehe ihn immer noch vor mir. Und er war ganz schlaff. Wie eine Puppe. Es war keine Kraft mehr drin. Nichts, gar nichts.

                   Pause

Frau:            Und die Eltern?

Mann:           Ich glaube, die Frau da war die Mutter. Der Notarzt hat sie versorgt, die hat das alles noch nicht richtig mitbekommen. Sie haben sie dann ins Krankenhaus gebracht. Stell dir mal vor, wenn die wieder zu sich kommt und hört, was los ist ... Irgendwer muss ihr das doch sagen mit den Kindern.

Frau:            Was machst du jetzt?

Mann:           Ich weiß nicht. Ich glaube, ich möchte einfach nur hier sitzen bleiben. Oder schlafen. Aber wahrscheinlich kann ich jetzt nicht schlafen. David ist noch bei Oma, ja?

Frau:            Ja, er kommt erst morgen wieder.

Mann:           Du, ich glaube, ich gehe noch mal rüber zu den andern. Die sitzen da jetzt bestimmt noch.

Frau:            Meinst du, du bist schon wieder so weit?

Mann:           Ja, die sollen doch nicht denken, ich hätte schlappgemacht.

Frau:            Dann geh!

Mann:           Ich bleibe auch nicht lange, aber ich muss da noch mal hin.

(steht auf und nimmt seine Sachen. Das Licht blendet ab)