Führung durch den Heiligen Geist

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 1. Mai 2005

Personen:

Monika, Gastgeberin
Matthias, Gast'
Renate, Gast

Nachmittag bei einer Konfirmationsfeier. Matthias und Renate sitzen am Tisch und essen Kuchen. Wenn die Orgel aufhört, kommt Monika dazu.

Monika:          Na, wie sieht's aus? Noch ein Stückchen Konfirmationstorte?

Matthias:       Nein danke, ich kann nicht mehr, ich bin noch satt vom Mittagessen!

Renate:          Und mir ist immer noch zu heiß vom Gottesdienst.

Monika:          Sind dir alle deine Sünden eingefallen?

Renate:          Nein, die vielen Leute. Ich wusste nicht, dass Konfirmanden so viele Verwandte haben. Es war einfach zu warm.

Monika:          Wenigstens mussten da die Mädchen nicht frieren in ihren kurzen Röckchen.

Matthias:       Lange genug hat's ja gedauert.

Renate:          Du kannst dich nicht beklagen – du bist doch bei der Predigt rausgegangen. Du musstest bestimmt wieder rauchen, hab ich Recht?

Matthias:       Aber mir ging auch die Predigt auf die Nerven.

Monika:          Wieso? War doch ganz nett.

Matthias:       Wenn ich sowas schön höre: Gott regiert die Welt und so. Wenn das wirklich stimmt, dann wird er bestimmt nicht wiedergewählt bei all dem Chaos, das er anrichtet.

Monika:          Meinst du wirklich? Ich dachte, er hätte vom Papst geredet, vom Heiligen Vater oder so ähnlich.

Renate:          Hör mal, das war eine evangelische Konfirmation, und er hat nicht vom Heiligen Vater gepredigt, sondern vom Heiligen Geist.

Matthias:       Und wo ist da der Unterschied? Es gibt keinen!

Renate:          Ganz einfach: der Papst ist ein Mensch und der Heilige Geist ist Gott.

Monika:          Meinst du wirklich? So einfach?

Matthias:       Egal, ob Mensch oder Gott, ich lasse mir jedenfalls von niemandem sagen, was ich zu tun habe.

Renate:          (heftig) Unsinn! So funktioniert das doch gar nicht mit der Führung durch den Heiligen Geist.

Matthias:       Aber du weißt natürlich, wie es geht!

Renate:          Ja, ich weiß das, auch wenn es dir nicht passt.

Monika:          Bleib friedlich! Heute feiern wir Konfirmation, da bleiben Politik und Religion außen vor.

Matthias:       Lass sie doch! Endlich mal ein bisschen Leben in der Bude!

Renate:          Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich zu heftig geworden bin, aber ich mag das nicht, wenn jemand in Klischees denkt, die einfach nicht stimmen.

Matthias:       Und in welchen Klischees denke ich also?

Renate:          Dass Gott einen bevormundet und unterdrückt und die Kirche immer nur Vorschriften macht und all dieser Kram.

Matthias:       Und wenn das nicht so ist, wie ist es dann?

Monika:          Ich dachte, das wäre nur bei den katholischen Konfirmationen so.

Renate:          Monika! Das weiß sogar ich, dass es keine katholischen Konfirmationen gibt!

Monika:          Ja, aber wie ist es dann?

Matthias:       Das wollte uns Renate ja gerade erzählen.

Renate:          Wenn ihr es unbedingt wissen wollt: Gott macht keine Vorschriften und setzt niemanden unter Druck, sondern er – er leitet uns einfach, einfach so, dass man es einsieht.

Matthias:       Und wenn man es nicht einsieht?

Renate:          Dann übersieht man es eben.

Monika:          Ich verstehe das nicht. Sieht man es ein oder übersieht man es?

Renate:          Ich kann euch nur erzählen, wie ich das erlebe.

Matthias:       Dann tu es!

Renate:          Ihr wisst doch, dass wir vor 10 Jahren unser Haus gekauft haben. Wir haben uns ganz viele andere Häuser im Landkreis angesehen, und eigentlich hatte ich schon ein paar Mal gedacht, wir hätten jetzt das Richtige gefunden. Aber entweder gefiel es Günther nicht, oder irgend etwas anderes kam dazwischen. Und als wir unser Haus zum ersten Mal sahen, da war ich gar nicht begeistert, aber Günther gefiel es sofort. Ich glaube, es lag an dem großen Hobbyraum, aber das ist ja egal. Ein Haufen anderer Leute hatte sich das Haus auch schon angesehen, aber wir waren die ersten, die wirklich Ja sagten.

Matthias:       Und hatte das mit Gottes Führung zu tun oder mit Pfusch am Bau?

Renate:          Nein, das Haus ist in Ordnung, da hat Günther schon drauf geachtet. Im Rückblick ist mir ganz deutlich, dass Gott uns da haben wollte und nicht woanders. Verstehst du, das sind keine Vorschriften, das ist eben – Führung.

Matthias:       Wenn du meinst. Ich könnte mir da auch ganz natürliche Erklärungen denken. Aber jeder hat eben seinen Glauben.

Monika:          Und jetzt denkt daran: wir feiern Konfirmation. Keine Politik und keine Religion!