Nah - und doch so fern

Szene für den Besonderen Gottesdienst am 03. September 2006 zum Ilseder Weinfest

Personen:
Mann
Frau
Fernsehton

1. Szene

Mann sitzt auf dem Sofa. Er schaut engagiert in einen Fernseher, man hört eine Fußballreportage. Frau kommt mit Tablett.

Frau:            Möchtest du noch irgendwas zu essen?

Mann:           Ja, ja

Frau:            Und was?

Mann:           Ach nö.

Frau:            Ja, was denn nun? Möchtest du jetzt was haben oder nicht?

Mann:           Mhmm.

Frau:            Das ist ja heute wieder schrecklich! Ich hab dich was gefragt!

Mann:           Ja, gut.

Frau:            Gar nichts ist gut! Ich hab dich was gefragt, und du könntest mir vielleicht mal eine Antwort geben.

Mann:           (in Richtung Fernseher) O nein!

Frau:            Nein? Also hör mal, ich kann wohl doch eine Antwort von dir erwarten, wenn ich dich etwas ganz einfaches frage!

Mann:           (in Richtung Fernseher) Ja! Ja!

Frau:            Ja, also dann sag mir bitte, ob du noch etwas zu essen möchtest!

Mann:           Mhmm.

Frau:            Also, das finde ich jetzt nicht gut. Du benimmst dich, als ob du ganz woanders wärst.

Mann:           Nein, danke.

Frau:            Weißt du, ich komme mir vor, als ob ich Luft für dich wäre.

Mann:           Ja, gleich.

Frau:            Weißt du eigentlich, was morgen für ein Tag ist?

Mann:           Nö.

Frau:             Hör mal, du wirst doch noch wissen, was morgen für ein Tag ist!

Mann:           Samstag.

Frau:            Morgen ist Montag.

Mann:           Nein, danke.

Frau:            Doch. Und außerdem haben wir morgen Hochzeitstag. Da hast du nicht dran gedacht, stimmt's?

Mann:           Ja, gerne, aber nur ein bisschen.

Frau:            (empört und zunehmend lauter) Nur ein bisschen? Was soll das heißen? Du hörst mir ja überhaupt nicht zu! Ich rede und frage dich was, aber du könntest genauso gut 1000 Kilometer weit weg sein. Ich kriege keine Antwort. Du könntest auch irgendwo auf dem Mond sein. Und dass du unseren Hochzeitstag vergisst, das hätte ich mir ja gleich denken können.

Mann:          (schaut zum ersten Mal die Frau an) Was schreist du eigentlich so rum? Ich bin doch nicht taub! Ich verstehe es einfach nicht: immer wenn du von unserem Hochzeitstag redest, hast du einen Ton drauf, als ob ich daran schuld wäre!

2. Szene

Mann und Frau sitzen nebeneinander auf dem Sofa. Sie hat eine Schüssel mit Kartoffeln, Gemüse o.ä. auf dem Schoss und putzt/schält. Er versucht, besonders nett zu sein; sie redet in betont sachlichem, unterkühltem Ton.

Mann:           (besonders nett) Weißt du, dass wir morgen Hochzeitstag haben?

Frau:            Ja, natürlich.

Mann:           Wir könnten doch heute abend mal was Nettes unternehmen, nur wir beide.

Frau:           Ich muss noch die Kartoffeln zu Ende schälen, ich muss noch den Rhabarber einkochen, und die Kinder wollten auch noch was von mir.

Mann:           Wir können die Kinder doch in die Eisdiele schicken ...

Frau:            Die hat heute zu.

Mann:           ... oder ins Kino, da gibt es »Schneewittchen«.

Frau:            »Schneewittchen« ?? Was glaubst du denn, was die sehen wollen?

Mann:           Oder in »Die lebenden Leichen von Blood Hill« - das soll sehr spannend sein.

Frau:            Die Kinder müssen morgen in die Schule.

Mann:           Jetzt sei doch nicht so! Lass doch ein Mal die Kartoffeln sein (nimmt ihr die Schüssel weg)! Ein netter Abend, nur für uns beide!

Frau:            Kannst du mich vielleicht weitermachen lassen (nimmt sich die Kartoffeln wieder)? Ein netter Abend ist für mich, wenn ich meine Arbeit endlich fertig habe.

Mann:           Aber ist das auf die Dauer nicht ein bisschen langweilig?

Frau:            Wem sagst du das?

Mann:           (überlegt) Hm ... dann könnten wir uns ja noch mal das Länderspiel von vorhin ansehen. Ich hab es aufgezeichnet, damit es dir nicht so langweilig ist.

Frau:            (stellt schnell die Schüssel hin) Ach, eigentlich bin ich jetzt schon fast fertig. Was sagtest du, gibt's im Kino?